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EPDXAD

Einführung des EPD - Betriebsstart der XAD-Stammgemeinschaft

Zusammenfassung

Es besteht eine gesetzliche (d.h. nicht erstreckbare) Pflicht der Spitäler zum Anschluss an eine zertifizierte EPD-(Stamm-)gemeinschaft bis am 15. April 2020. Der Vorstand der Gesundheitsdirektorenkonferenz hat die Kantone aufgefordert, von den Listenspitälern bis Ende März 2020 den Nachweis über den Beitritt zu einer (Stamm-)gemeinschaft einzufordern. Listenspitäler, die diesen Nachweis beibringen, erhalten bis Ende Oktober 2020 weiterhin den Kantonsanteil für die Abgeltung stationärer Behandlungen, auch wenn die (Stamm-)gemeinschaft noch nicht rechtsgültig zertifiziert sein sollte.

Das Zertifizierungsverfahren für die XAD-Stammgemeinschaft ist voraussichtlich per Mitte April 2020 abgeschlossen. Die Akkreditierung der Zertifizierungsstelle wird später erfolgen. Die axsana AG strebt die Aufnahme des Produktivbetriebs per Mitte April 2020 an und beantragte beim Bund eine Pilotphase, damit die operativen Geschäftsprozesse beim Zusammenspiel aller notwendigen Akteure einschliesslich der zentralen Abfragedienste des Bundes validiert werden können. Auf diese Weise kann das Gesamtsystem EPD-Schweiz schrittweise und kontrolliert in Betrieb genommen werden. Die Rahmenbedingungen und Auflagen für die Pilotphase sind vom Bund festzulegen.

Der Aufbau der XAD-Stammgemeinschaft zugunsten der XAD-Mitglieder wurde teilweise von der öffentlichen Hand finanziert. Für die auflaufenden Betriebsaufwände (Testbetrieb inkl. Support, Anschluss der Gesundheitseinrichtungen usw.) werden den anschlussverpflichteten Spitälern für 2019 ein Zehntel und für 2020 vier Fünftel der ordentlichen Jahresgebühr in Rechnung gestellt.

 

1. Gesetzliche Anschlusspflicht der stationären Gesundheitseinrichtungen

Das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) bildet zusammen mit den umfangreichen Ausführungsvorschriften die Grundlage für die schweizweite Einführung des elektronischen Patientendossiers (EPD). Spitäler müssen sich bis spätestens am 15. April 2020 einer zertifizierten (Stamm-)gemeinschaft angeschlossen haben (Gemäss KVG Art. 39 Abs. 1 lit. f ist dies eine der Zulassungsvoraussetzungen zur Abrechnung von Leistungen zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP), die ab 15.4.2020 erfüllt sein muss).

Der Vorstand der Gesundheitsdirektorenkonferenz hat vor dem Hintergrund der Mitteilungen des Bundes zur EPD-Einführung am 23. Januar 2020 Handlungsempfehlungen an die Kantone beschlossen. Er stellt fest, dass Vertragsspitäler nach Art. 49a KVG ohne Anschluss an eine zertifizierte (Stamm-)gemeinschaft ab 15. April 2020 nicht mehr zulasten der OKP abrechnen können. Bei Listenspitälern erachtet er eine unmittelbare Streichung von der Spitalliste als nicht verhältnismässig und empfiehlt den Kantonen, «eine Verwarnung auszusprechen und eine angemessene, allerdings sehr kurze Nachfrist anzusetzen». Konkret fordert er die Kantone auf, von den Listenspitälern bis am 30. März 2020 einen schriftlichen Nachweis über den Beitritt zu einer (Stamm-)gemeinschaft einzufordern. Wird dieser Nachweis nicht erbracht, soll den betreffenden Spitälern eine einmonatige Nachfrist gewährt werden. Danach sind vom Kanton angemessene Mittel zu ergreifen, um säumige Spitäler zu einem Beitritt zur einer (Stamm-)gemeinschaft zu bewegen. Bis Ende Oktober 2020 sollen die Kantone den Listenspitälern, die einer (Stamm-)gemeinschaft beigetreten sind, weiterhin den Kantonsanteil für die Abgeltung stationärer Behandlungen bezahlen, auch wenn diese (Stamm-)gemeinschaft noch nicht rechtsgültig zertifiziert sein sollte.

Verschiedene Kantone haben ihre Listenspitäler bereits dazu aufgefordert, den Nachweis über den Beitritt an eine (Stamm-)gemeinschaft innert Frist beizubringen. Die axsana AG stellt Spitälern einen Nachweis für den Beitritt zur XAD-Stammgemeinschaft aus, sofern ein unterzeichneter Anschlussvertrag vorliegt, die technische Anbindung umgesetzt und getestet ist (Portallösung als Minimum), die notwendigen Schulungen durchgeführt und fällige Gebühren bezahlt sind.

 

2. Von der Zertifizierung zum funktionierenden Betrieb

Die technische Infrastruktur und die Betriebsorganisation für das EPD werden bei den (Stamm-)gemeinschaften von der Zertifizierungsstelle detailliert und tiefgehend geprüft. Das Verfahren erweist sich als sehr aufwändig. Bei der XAD-Stammgemeinschaft gehen wir mittlerweile von gegen fünfzig reinen Audittagen aus. Wir rechnen damit, das Verfahren vor dem 15. April 2020 abgeschlossen zu haben. Ab dann ist die XAD-Stammgemeinschaft technisch und organisatorisch startbereit.

Die formale Gültigkeit des Zertifikats hängt dann noch von einem weiteren Verfahrensschritt ausserhalb der XAD-Stammgemeinschaft ab, nämlich von der Akkreditierung der Zertifizierungsstelle. Die Dauer dieses Verfahrensschrittes ist nicht genau definiert.

Damit das EPD-System in der Praxis wirklich funktioniert, braucht es neben der ersten Stammgemeinschaft weitere Elemente. Dies sind die ID-Provider für die elektronischen Identitäten für Patienten und Gesundheitsfachpersonen, die zentralen Abfragedienste des Bundes, und letztlich auch weitere (Stamm-)gemeinschaften. Mit Ausnahme der Bundeskomponenten müssen auch diese Akteure von einer Zertifizierungsstelle geprüft worden sein. Damit sie im operativen Betrieb erfolgreich zusammenspielen können, braucht es im Weiteren definierte Geschäftsprozesse für die Zusammenarbeit. Für die Erarbeitung der dazu notwendigen nationalen Betriebskoordination hat der Bund am 20. Februar 2020 eine Kickoff-Veranstaltung durchgeführt.

Die axsana AG hat bei den zuständigen Bundesstellen angeregt bzw. beantragt, nach Abschluss des Zertifizierungsverfahrens der ersten Stammgemeinschaft einen Pilotbetrieb zu starten. Damit können der Produktivbetrieb des EPD, das operative Zusammenspiel aller notwendigen Akteure (siehe oben) und die Belastbarkeit ihrer Betriebsprozesse unter kontrollierten Bedingungen geprüft und so das Gesamtsystem EPD-Schweiz schrittweise in Betrieb genommen werden. Dies ist bei der sorgfältigen Einführung von Systemen von der Komplexität und vom Umfang des EPD eine Notwendigkeit. Die Rahmenbedingungen und eventuelle Auflagen für die Pilotphase sind vom Bundesamt für Gesundheit festzulegen. 

 

3. Bedeutung für die Gesundheitseinrichtungen

Die XAD-Stammgemeinschaft, der bereits über 160 stationäre Gesundheitseinrichtungen beigetreten sind, wird seit Mitte 2016 aufgebaut. Vorarbeiten dazu gehen bis ins Jahr 2011 zurück. Die axsana AG als Betreiberorganisation stellt den Mitgliedern der XAD-Stammgemeinschaft zusammen mit dem Technikprovider Swisscom Health AG die organisatorischen, technischen und betrieblichen Komponenten der Stammgemeinschaft und der EPD-Infrastruktur bereit. Dank dem frühzeitigen Tätigwerden steht das Zertifizierungsverfahren für die XAD-Stammgemeinschaft nun kurz vor dem Abschluss.

Die Vorleistungen für den Aufbau der XAD-Stammgemeinschaft werden von der öffentlichen Hand (Bund, Kantone) finanziell unterstützt, aber nicht vollständig gedeckt. Die Gesundheits­einrichtungen als Mitglieder der XAD-Stammgemeinschaft (auch diejenigen mit gesetzlicher Anschlusspflicht) wurden bisher finanziell nicht belastet. Sie müssen aber die Betriebskosten tragen. Diese entstehen in reduzierter Form seit 2019 im Rahmen des Testbetriebs (Testumgebung, Support) und durch den Anschluss der Gesundheitseinrichtungen, der vor dem Go Live erfolgen muss. Ab 15. April 2020 läuft die Produktivumgebung und die Betriebsorganisation ist live. Für diese Aufwände tragen die Spitäler im 2019 10% der ordentlichen Jahresgebühr bei, und für 2020 80% der ordentlichen Jahresgebühr. Für Gesundheitseinrichtungen, die nicht per 15.4.2020 angeschlossen sein müssen, wird die Jahresgebühr pro rata verrechnet.

 

4. Danke für Ihr Vertrauen

Wir danken allen Partnern für das Vertrauen in die XAD-Stammgemeinschaft und in die axsana AG als deren Betreiberorganisation. Wir setzen weiterhin alles daran, dass dieses Vertrauen gerechtfertigt ist. Und wir zählen auch auf Ihr Verständnis für das gewählte Vorgehen in der derzeitigen Situation. Gemeinsam mit Ihnen sind wir einem guten Gesundheitswesen und damit dem Erfolg des EPD verpflichtet.

axsana AG

Technoparkstrasse 1

8005 Zürich